In Vierlinden entsteht am Ortsrand von Alt Rosenthal ein neues Seminar- und Gästehaus, das aus einem historischen Hofensemble hervorgeht. Neubau und Bestandsaufstockung werden in zwei Bauabschnitten errichtet und schaffen 14 Gastbetten, mehrere Seminarräume sowie eine Ferienwohnung für Aufenthalte im Grünen.
Das städtebauliche Konzept orientiert sich an der bestehenden Hofstruktur des Ensembles und vermittelt zwischen dem historischen Mühlenhaus und den neuen Gebäudeteilen Scheune, Nebengebäude und Stallaufstockung. Durch die Anordnung der Baukörper entsteht ein Hofraum, der Begegnung und Gemeinschaft ermöglicht und das Herz der Anlage als Außenraum bildet. Der Hauptzugang über die Südfassade der Scheune nimmt Gäste in Empfang und führt sie über einen Garderobenbereich direkt in den großen Seminarraum.
Im Erdgeschoss ergänzen ein Praxisraum, ein Essbereich und Küchen- und Sanitärflächen das Angebot, im Obergeschoss liegen zwei rollstuhlgerechte Gästezimmer, ein kleiner Seminarraum und die Ferienwohnung mit Kamin und giebelseitigem Balkon. Das Gebäude ist barrierefrei und inklusiv geplant. Die Seminarräume bilden jeweils das Zentrum, die innenräumliche Mitte der Baukörper.
Die Fassade komponiert unterschiedlich große Fensteröffnungen zu einem eigenen Rhythmus, der Blicke in die Umgebung rahmt. Im großen Seminarraum weiten sich drei Öffnungen zu raumhohen Terrassentüren und lassen den Raum in den Hof hinauswachsen, während eine gro.zügige giebelseitige Verglasung im Obergeschoss den Blick der Ferienwohnung in die Landschaft öffnet. Ein zenitales Oberlicht taucht den kleinen Seminarraum in ein ruhiges, gleichmäßiges Licht.
Das historische Ziegelmauerwerk und die Kappendecke im Erdgeschoss des Stallgebäudes bleiben erhalten und verbinden die neue Nutzung mit der Geschichte des Ortes. Die neuen Gebäudeteile entstehen in ressourcenschonender Holzbauweise mit Strohdämmung und Lehmputz, ausgesteift durch Brettsperrholzwände. Wiederverwendete Ziegel schützen den Sockel vor Spritzwasser, für Konstruktion und Fassadenbekleidung kommt das Holz der zurückgebauten Scheune zum Einsatz. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und eine Photovoltaikanlage versorgen die Gebäude.
Mit dem Seminar- und Gästehaus entsteht ein Ort, der ländliche Bausubstanz und zeitgemäßes nachhaltiges Bauen zusammenführt. Er schafft Räume für Begegnung, Rückzug und Austausch und gibt dem historischen Hofensemble eine neue, tragfähige Zukunft.